
Am 1. Oktober 2025 feiere ich ein besonderes Jubiläum:
5 Jahre Physio mit Rad.
Als ich damals anfing, mit meinem Lastenrad meine physiotherapeutischen Hausbesuche durchzuführen, war vieles noch unsicher.
Ich erinnere mich gut an die skeptischen Fragen: „Haben Sie nicht genug Geld für ein Auto?“ oder
„Wie soll das denn funktionieren, wenn es regnet oder schneit?“.
Auch ich selbst habe mir anfangs viele Gedanken gemacht: Kann ich mit dem Lastenrad eine Liege transportieren? Was brauche ich alles für meine Hausbesuche?
Heute, fünf Jahre und über 37.000 Kilometer durch Frankfurt später, kann ich sagen: Es hat funktioniert – und wie!
Das Rad abgeholt und losgeradelt vor 5 Jahren…
Fünf Jahre, tausende Kilometer, unzählige Begegnungen
Ob bei Sonne, Regen, Wind oder Schnee – mein Lastenrad und ich sind zu allen Jahreszeiten unterwegs gewesen.
Ich gebe ehrlich zu: Es gibt Wetterlagen, da freue ich mich aufs Rad zu steigen. Und es gibt Tage, da heißt es einfach durchhalten.
Wie sagt man so schön? „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung.“
Manches Wetter braucht dann eben etwas mehr Planung – etwa die Frage, wo ich meine Sachen trocknen oder mich im Winter aufwärmen kann.


Natürlich gehörten auch Platten, Inspektionen und Reparaturen dazu.
Zum Glück habe ich gute Werkstätten an meiner Seite – und bin inzwischen selbst fast Profi im Beheben von Reifenpannen.
Am Ende konnte mich kein Wetter und keine Panne wirklich aufhalten.
Auf meinen Touren habe ich Frankfurt ganz neu kennengelernt. Immer wieder entdecke ich neue Routen, kleine Schleichwege und überraschend schöne Ecken. Ich genieße es, meine Pausen bei Sonnenschein draußen in der Natur zu verbringen – und habe für regnerische Tage das eine oder andere gemütliche Café entdeckt. Durch die tägliche Bewegung mit dem Rad ist mir meine Stadt noch vertrauter und lebendiger geworden.
Vom „Oje, kein Auto“ zum „Toll, dass Sie Rad fahren“
Besonders eindrücklich ist für mich die Resonanz von außen.
Anfangs hörte ich oft skeptische Stimmen: „Ohne Auto geht das doch gar nicht!“
Heute klingt es ganz anders: „Sie sind doch die mit dem Fahrrad – das finde ich klasse!“ oder „Ich bin nur wegen des Rads auf Sie aufmerksam geworden.“
Es ist schön zu sehen, dass sich auch die Wahrnehmung verändert. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Themen, die mir persönlich wichtig sind – und es macht Freude, dass immer mehr Menschen darüber nachdenken.
Mein Lastenrad ist längst mehr als ein Fortbewegungsmittel geworden. Es macht mich sichtbar und zeigt, wofür ich stehe: Bewegung, Nachhaltigkeit und Nähe zu den Menschen.
Mobile Physiotherapie mit dem Rad – Ein Konzept, das überzeugt – für mich bereichernd, für andere inspirierend
Mein Weg hat gezeigt: Das Lastenrad war eine Investition, die sich absolut gelohnt hat.
Im Frankfurter Stadtverkehr ist es oft schneller und flexibler als ein Auto. Dazu kommt, dass es umweltfreundlich ist und mir im Alltag Bewegungsfreiheit schenkt.
Insgesamt konnte ich so in den letzten fünf Jahren etwa 7,2 Tonnen CO₂ einsparen – während mein E-Lastenrad auf derselben Strecke nur rund 160 kg CO₂ verbraucht hat.
Auch andere sind aufmerksam geworden: Ich durfte mein Konzept: Physio mit Rad im Rahmen der Eurobike vorstellen und in der Presse über meine Arbeit berichten. Das hat mir gezeigt, dass mein Ansatz nicht nur meinen Patientinnen und Patienten hilft, sondern auch Inspiration für andere sein kann.
Natürlich ist noch Luft nach oben:
Die Radwege in Frankfurt sind besser geworden, aber es gibt weiterhin viel zu tun. Trotzdem überwiegen für mich die Vorteile deutlich.
Mit Dankbarkeit zurück – mit Freude nach vorn

Das Wichtigste in diesen fünf Jahren bleiben jedoch die Menschen.
Ich durfte viele Patientinnen und Patienten begleiten – gerade auch in schwierigen Situationen wie in der Palliativversorgung oder bei Strangbildungen nach einer Brustkrebs-Erkrankung.
Die positiven Rückmeldungen, die wachsende Nachfrage nach meinen physiotherapeutischen Hausbesuchen und ein immer stärker werdendes Netzwerk bedeuten mir sehr viel.
Darum möchte ich an dieser Stelle ein großes Dankeschön aussprechen – an alle, die mir in den letzten fünf Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben.
Was mir diese Zeit außerdem gezeigt hat: Wie wichtig der Mut für den ersten Schritt ist. Hätte ich ihn damals nicht aufgebracht, wäre all das nicht entstanden. Viele Fragen lösen sich, wenn man einfach losgeht. So brauche ich meine Liege zum Beispiel viel seltener, als ich anfangs dachte – manches lässt sich eben nur durch Ausprobieren herausfinden und verbessern.
Mut zu haben, den ersten Schritt zu machen, ist eine Erfahrung, die ich unbedingt weitergeben möchte.
Das Wertvollste an meiner Arbeit ist für mich, Menschen in ihren individuellen Situationen zu begleiten – manchmal beim Sortieren der nächsten Schritte, manchmal in einer palliativ geprägten Zeit, in der Nähe, Verständnis und Begleitung im Vordergrund stehen. Dabei ist es mir wichtig, jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit zu sehen und meine Behandlung an seine ganz persönlichen Bedürfnisse und Anforderungen anzupassen.
Wenn Sie sich Unterstützung wünschen, dürfen Sie sich jederzeit bei mir melden.
Solltest du selbst Physiotherapeutin sein und spüren, dass dich diese besondere Art zu arbeiten anspricht, dann melde dich gerne bei mir. Ich denke darüber nach, in Zukunft mein Team zu erweitern – vielleicht können wir gemeinsam noch viel mehr bewegen.
Ich blicke voller Freude nach vorn: Auch in den kommenden Jahren werde ich mit meinem Rad durch Frankfurt fahren, um Menschen dort zu unterstützen, wo sie mich brauchen.
Mit Herz, Hand und zwei Rädern.
Ihre Physio mit Rad
Leonarda Tyralla